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| Sandra Rose 21.06.2010 12:14 |
Wien ist anders
Unglaublich und doch so überraschungsarm: Natürlich geht es in unserem südburgenländischen Fluchtdomizil weitaus gemächlicher zu. Und HIER, in Wiens Herzen, blüht nix. Und wenn es je so aussähe, als blühte etwas, z.B. des Durchschnitts-Wieners Herzerl, dann handelt es sich vermutlich um ein Fata Morgana- ähnliches Phänomen, das man vor Verlassen des Landidylls noch unbewusst durch Zufuhr eines satten Achterls Uhudler selbst heraufbeschwört hat. Nachdem ich den aber nicht trinke, reduziert sich in meinem Fall die Wahrscheinlichkeit lediglicher Einbildung auf ein Minimum. Wenn´s hart kommt, ist einem nicht mal das Übersehen eines der immernoch vorhandenen "Wien ist anders"- Schilder auf der Autobahneinfahrt vergönnt. Oder, noch schlimmer: Der Stau lässt einen genau vor dem aus dem letzten Fünftel des vorherigen Jahrhunderts stammenden Dorotheum-Plakat zum Stillstand kommen: Dauergrinsekatze Sandra P.- die Kollegin, für die ein Wort des Grußes quasi ausnahmslos in direktem Zusammenhang mit Kamerapräsenz denkbar zu sein pflegt-, behängt mit güldenem Geschmeide, Jedenfalls ist der Grundtenor bei Wien-Näherung einer, der sich urtypischerweise - man muss nur lang genug hier leben, um dieses Phänomen ebenfalls zu verspüren- gemeiner Weise vorrangig in Momenten des absoluten Drangs nach Selbsterrettung vor dem gar gräuslichen Sog des Wiener Negativismus klammheimlich auch auf Zugereiste überträgt. Dass im Postkastl (für all meine geliebten Piefke-Geschwister: der Briefkasten) kaum erfreuliche Post zu finden ist, ist eine - langzeitabgeklärte und somit allenfalls Enttäuschungsimmunität erfordernde- Sache. Währenddessen mein Mann- dieser stets bemühte, meinige, nämlich- sich denn um die durch Heirat neo-intellektualisierte Frau Nachbarin anstatt um die weit wichtigere eigene Firma zu bemühen verschwendet, rufe ich bei der Polizeidienstelle an- ward doch ein zu beantwortendes Schreiben inmitten all der unnötigen Zusendungen zu finden: Ich rufe die angegebene Durchwahl und lande in der Vermittlung, die mich wissen lässt, dass der Herr Dingens nicht die am Amtsschrieb angegebene, sondern die Durchwahl X hätte. Gut. Tüüüüüüüüüüt. Weibliche, junge Stimme mit Artikulationsschwäche. So eine ...., heasd! Wien ist anders. Ja, eh.
Ach, Wien.... wenn du nur wüsstest, wie schön und friedvoll es im Land der Burgen zugeht!
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| Sandra Rose 15.06.2010 13:52 |
Urlaubszeit- Zeit zum Nachdenken
Nachdem ich den bis vor Kurzem rosisch vakanten öffentlich-rechtlichen Job eh nicht bekommen habe, kann ich diesen fantastischen Rosenblog getrost wieder völlig unzensiert freischalten:-) Dann und wann eine kleine Übung in Diplomatie schadet dennoch nie. Singen sich nun also die jungen Leute, die dank des ORF´schen "Starmania" Nachfolge-Formats "Helden von Morgen" uar-schnell sowas änliches wie berühmt zu werden trachten anderweitig denn rosisch beurteilt von Runde zu Runde. Kinder- lustig hätten wir es schon gehabt, versteht sich. * flat= a weng zu tiaf Immerhin habe ich nun extra für den sommerlichen Hausgebrauch geblietschte Zähne, die 5. und vorläufig letzte Sandras Salon - Saison fulminant abgeschlossen und mache Urlaub. Blietsching ist übrigens, eine derart tolle Sache, dass man sie unbedingt Leuten vorschlagen sollte, die man so gar nicht leiden kann:-)
Nun aber zu etwas, was mich tatsächlich und nachhaltig rührt: Der Fall Zogaj
Ja, Sie wissen schon. Für die, die nicht, hier die Zusammenfassung der Fakten (Quelle: kurier) http://kurier.at/nachrichten/2008758.php
Urlaub ist ja was Feines, und nicht, dass mir Gartenarbeit, Schwimmen oder schlichtes Sonnenanbeten nicht ausfüllend genug schiene, aber wenn´s menschenrechtswidrigen Tumult gibt, drängt es mich förmlich, den Mund aufzumachen.. Hier also mein Schreiben an Fr. Maria Fekter, unsere Innenministerin, deren Mitarbeiterin Fr. Simmel mir gestern telefonisch versichert hat, dass ein direktes mail an Fr. Fekter durchaus gute Chancen auf Beantwortung hätte:
Sehr geehrte Frau Minister Fekter,
Hiermit bitte ich Sie, mich wissen zu lassen, inwiefern Ihre Aussage, Arigona Zogaj könne nach einer Ausreise durchaus wieder nach Österreich einreisen, den Tatsachen entspricht.
Dass Entscheide des VfGH umgesetzt gehören, versteht sich- auch, wenn sie nicht gefallen.
- Österreichs Behörden mit gar so lahmen Windrädern gemahlen haben - dieses Mädchen ein formvollendetes Beispiel höchst erfreulicher Integrationsbereitschaft verkörpert und wir - am Arbeitsmarkt genau solche jungen Leute hinkünftig sowieso verstärkt brauchen - die heimischen wie auch die internationalen Medien diesbzgl. derart wachgerüttelt sind, so dass die ganze Chose fürwahr kein gutes Licht auf Österreich wirft - Ihre Polit-Kontrahenten Ihre, Frau Minister, sicherlich korrekte, aber hartherzige, Haltung zum Anlass nehmen, auch andere Um- bzw. Missstände genauer unter die Lupe zu nehmen. (Anm: Das "Und sowas will ja in Österreich keiner" hab´ ich mir prima erfolgreich verzwickt:-)) Wissen Sie, wenn man als Kind in einem fremden Land aufwächst, empfindet man dieses tatsächlich alsbald als Heimat. Dass im Ursprung der Familienvater Zogaj all dieses Desaster verursacht hat und „seine“ Familie somit sowieso schon gestraft genug ist, wissen Sie ja auch.
Würden Sie sich nun für eine, für die noch zur Debatte stehenden 3 Geschwister samt ihrer Mama, dem auch in Ihnen schlummernden Bewusstsein der Menschenrechte entsprechende Lösung stark machen, bin ich sicher, dass auch Sie am Ende eine Form der friedbringenden Erfüllung empfinden würden, die in Ihrem verantwortungsvollen Job vermutlich nur selten zu erleben ist.
In sehr gespannter Erwartung auf Ihre, so wage ich zu hoffen, persönlich formulierte Antwort, verbleibe ich
Mit freundlichen, aber nachdenklichen Grüßen,
Sandra Rose Otto
Gern in Österreich lebende,
Habe ich ihr heute geschickt und warte auf Antwort. Bin gespannt, ob und , wenn, dann was da kommt.
Bleibt zu berichten, dass das bescheidene Örtchen Inzenhof im österreischischen Süd-Burgenland ein absoluter Wohlfühlort ist, ich eben ein nachmittägliches Gartenfeuerle ge- und 1 Hornisse sowie 5 übergebliebene fliegende Ameisen erlegt habe. Was will man mehr. All dies völlig jazzfrei.
Herrlich!
NACHTRAG am 28.06.2010
Herrlich- ich sitze abermals im Land der Burgen. Eine Woche, in der ich übrigens auch Post aus Frau Fekters Büro bekommen habe:
Sehr geehrte Frau Otto!
Ich bestätige den Erhalt Ihres Schreibens vom 24. Juni 2010, darf allerdings darauf hinweisen, dass die Frau Bundesminister für Inneres in dieser Angelegenheit bereits eindeutig Stellung bezogen hat.
Wie das Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofs bestätigt, haben das Bundesasylamt und der Asylgerichtshof korrekt gearbeitet. Das Innenministerium steht damit - auch in dieser Frage - für den Rechtsstaat und die Einhaltung der Gesetze. Dem Entscheid des Verfassungsgerichtshofs ist selbstverständlich Rechnung zu tragen. Arigona Zogaj hat Österreich daher zu verlassen.
Die Innenministerin hat bereits darauf hingewiesen, dass die Ausreise ohne Zwangsgewalt erfolgen kann. Reist die Familie Zogaj jedoch nicht selbständig in ihre Heimat, muss sie von der Fremdenpolizei abgeschoben werden.
Mit freundlichen Grüßen Gerhard Pichler Bundesministerium für Inneres Referat I/5/a Bürgerdienst- und Auskunftsstelle Tel. 01/53126/2343 Schön.
Nun also mein Sommer-Idyll zu verlassen, ist mir zwar kein Bedürfnis, aber für die diesen Donnerstag stattfindende, von Autor Robert Misik sowie den Grünen ins Leben gerufene, Demo, komme ich einfach nicht umhin:
GENUG IST GENUG!
Arigona Zogaj und ihre Familie sollen bleiben!? Für eine menschenwürdige Asylpolitik!
Grossdemonstration: Donnerstag, 1. Juli 2010, 18.30 Uhr, Heldenplatz
Mein Demomuffeltum wird also erstmals freiwillig für einen in meinen Augen unsagbar wichtigen Zweck für genau einen Abend still gelegt. "Freiwillig" übrigens deshalb, weil mein bisweilen einziger Demogang vor knappen 10 Jahren ein erzwungener war: Die Proben für die bombastisch aufgemachte, aber leidig ausgefallene Musical-Inszenierung von Österreichs einzigem "echten" Pop-Export-Schlager Falco waren in vollem Gange und das dazugehörige Enfant Terrible der heimischen Regie-Kunst, Paulus Manker, hielt das gesamte Ensemble dazu an, die viel zu raren freien Stunden bei der Demo gegen die damals Einzug ins Geschehen findende blaue Mitregierung zu verbringen. Na, was: Angefressen war ich. Nicht, dass mir all das egal gewesen wäre- aber so, auf Zuruf vom Alten?- Nee, hab´ ich mir damals gedacht. Nur weil er es seit Jahren versteht, fette, meist rote Gelder für wuaschd-welchen, öfters auch mal unter dem Deckmäntelchen der Kunst, Fördergelder zu lukrieren, heißt das noch lange nicht, dass ich.... egal. Nachdem diese Zwangsbeglückung ja nur eines der vielen Highlights mit Hrn. Manker waren, habe ich die Produktion zwar noch auf CD ein bisserl miteingesungen, aber dann noch zeitgerecht vor der Premiere das Territorium geräumt.
Ich befürchte schon, dass ich u.a. auch genau DEN dann am Donnerstag treffen werde. Bin ich froh, dass ich auch andere, mir weit sympathischere, Menschen dort treffen werde.
In diesem Sinn. |
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